Wort zum Sonntag: Gedanken zum Advent

Heute ist der 4. Advent. Noch wenige Tage und es ist Weihnachten. Am vergangenen Donnerstag hatten wir das letzte Seminar für dieses Jahr „Auf den Spuren meines Lebens.“ Wir haben über „Advent und Weihnachten im Lauf des Lebens“ geschrieben- mir fiel eine Abhandlung zu der Frage ein „Was ist Advent? Was „adventlich leben?“ Hier kommt der Text.

 

Gedanken zum Advent

Advent. Verordnete Besinnlichkeit, der ich hinterherrenne, ohne sie je zu erreichen?

Manchmal kommt es mir so vor. Und dazu das schlechte Gewissen, weil es nicht besinnlich ist oder war und ich es wieder nicht geschafft habe- dieses <in mich gehen>, zur Ruhe kommen, nachdenken und ja, eben besinnlich sein.

Advent als Vorbereitung. Als warten. Als Übergangszeit- alles schön und gut, aber … Ich lehne mich zurück.

Advent. Was heißt das „adventlich leben?“ Gedanken schießen mir durch den Kopf. Keiner bleibt so lange, dass ich ihn betrachten kann. Ich lasse sie. Sehe zu, wie einer ins Trudeln gerät und zu Boden gleitet. Er glitzert wie ein Stern. Ich hebe ihn auf.

 

„Ist nicht Advent viel mehr als die Besinnlichkeit, die vielgepriesene Besinnlichkeit?“

Ja, sie hat ihre Berechtigung. Und doch: Wenn ich sie als künstliches Becken anlege, ist sie eben genau das: „künstlich.“ Ich bin mir sicher: Advent ist Alltag. Ist mitten im Alltag- und nur da. Momente des Innehaltens, die gerade dann vorbei sind, wenn ich sie bewusst bemerke.

Ich lese ein Kapitel im Weihnachtsroman und spüre Worten oder Bildern nach.

Ich höre Ramonas Impulse. Werde vom Ruf „Essen ist fertig“ unterbrochen und folge ihm. Später nehme ich den Stift zur Hand, beantworte die von Ramona gestellten Fragen. Plötzlich tauchen Bilder zu zwei Worten auf: Wurzeln und Flügel. So ist die Idee für meine Art-Journal-Seite geboren.

 

Advent. Offen sein. Erwarten können. Mich einlassen auf einem Prozess- ist nicht das, genau das, Advent? Für mich schon. Und ja: Das adventliche Dekorieren hilft mir, in eine andere Stimmung zu kommen. Sichtbar zu machen, was sich im Innen bewegt. Insofern hat es seine Berechtigung, ist es notwendig, auch wenn die Zeichen der Zeit vielleicht andere sind.

 

Advent. Früher. Heute. Gleich und anders. Früher habe ich im Advent gebastelt- allein, mit den Kindern, später mit den Enkelkindern. Heute haben weder die einen noch die anderen Zeit, mit mir zu basteln. Das ist in Ordnung und meine Erinnerung an diese Zeiten bleibt.

Etwas, das sich aber durch die Jahre hindurch zieht, ist das Vorlesen eines Adventskalender-Buches. Vier Enkelkinder sind in diesem Jahr dabei. Täglich schaffen wir das Lesen nicht- und doch: Wir sind auf dem aktuellen Stand.

Die Kerzen auf der Treppe leuchten abends ins Dunkel hinein- gehören seit unzähligen Jahren dazu. Ebenso wie ein Abendspaziergang in der Stadt, um die Sterne der Straßenbeleuchtung anzuschauen.

In diesem Jahr hat auch das „Meditative Tanzen im Advent“ wieder stattgefunden. Seit vielen Jahren gestalte ich im Frauentreff einen Adventsabend- mit Tanz oder auf andere Weise- der Abend ist wichtig.

Auch meine Weihnachtsbriefe sind Advent. Ende September denke ich zum ersten Mal darüber nach- und habe keine Idee. „Ist ja noch Zeit“, tröste ich mich selbst. Die Gedanken an Bild und Text begleiten mich durch meine Tage- oft unbewusst. Und dann, dann liegt plötzlich das Bild für die Karte vor mir- „zufällig“ entstanden im Blitzlicht-Kurs. Der Text entwickelt sich langsam- Wort um Wort, Versatzstücke des Lebens.

 

Das ist Advent. Mich in ein Thema fallen lassen. Wach sein für den Moment. Etwas umsetzen, wenn es Zeit ist. Ausprobieren. Verwerfen. Wieder anfangen. Fertig sein oder werden.

Advent- das sind Rituale. Liebgewonnene. Alte und Neue. Unhinterfragte. Vermisste.

Vermisst, wie mein Sternentuch und das Advents-Gärtlein in diesem Jahr. Ausgefallen wegen einer Baustelle. Ich spüre: Das vermissen ist gut- es zeigt mir die Bedeutung des Rituals. Im nächsten Jahr werde ich mir für dieses Ritual einen neuen Rahmen suchen.

 

Das ist Advent: Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können. Die Tage bewusst planen. Stopp sagen und loslassen. Neues ins Leben lassen. Erfahren im Alltag. Mitten im Leben. Ohne Tüdelü und Lamettakitschigkeit.

 

Der Advent- er ist mir wichtig- wenn er im Alltag fußen darf. Da ist es egal, ob ich diesem oder jenem Genüge getan oder Erwartungen erfüllt habe. Wenn zwischen all der Alltagsmühe Platz bleibt für das Unerwartete- dann ist Advent. So gesehen gelingt mir der Advent heute wunderbar- manchmal besser als früher. Und da fällt mir ein: Ich brauche mich und meinen Advent nicht zu vergleichen- nicht mit anderen, nicht mit meinem Advent aus anderen Jahren.

 

Das ist Advent: jedes Jahr neu. Jedes Jahr anders. So, wie auch ich bin und werde.

 

 

 

Einen gesegneten Adventsonntag wünsche ich dir.

Was ist der ADVENT für dich? Schreibe es gern auf. Ich freue mich auf und über Rückmeldungen.

Foto: © Erwin Grundler

 

 

 

 

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