Karfreitag

DSC_1582Allein gelassen. Verraten. Verkauft. Geschlagen. Angeschlagen. Zerrissen. Zersplittert. Das Leben verloren. Die Hoffnung ist tot. Nichts geht mehr. Alles zu viel, viel zu viel.
Hass, Wut und Zorn haben gesiegt. Der Tod als Machtdemonstration. Die Verhältnisse werden gerade gerückt. Der Tod als abschreckendes Beispiel. „Wagt es ja nicht“, scheint er zu sagen. Resignation und Angst greifen um sich.
Wohin mit all dem Klagen? Der Trauer? Dem Entsetzen? Wohin?

Das ist heute nicht anders als vor gut 2000 Jahren. Auch heute gibt es Menschen und Situationen, da scheint es, als ob das Ende erreicht wäre. Das Ende der Hoffnung. Das Ende des Lebens. Das Ende des Ichs. Das Ende des Mitgefühls. Das Ende der Menschlichkeit. Das Ende von allem.

Verloren. Geschlagen. Zerrissen. Zerrissen und voller Sprünge wie eine kaputte Glas-scheibe.
Und doch – ich weiß es – der Karfreitag ist nicht das Ende. Der Tod siegt nicht. Das Leben triumphiert. Es geht weiter. Die Hoffnung treibt voran. Treibt aus. Treibt weiter.
Wie gut, dass es so ist. Das Wissen hilft mir, den Karfreitag anzunehmen. Auszuhalten. Durchzuhalten. Beides gehört zum Leben, die Höhe und die Tiefe. Das sagt mir der Karfreitag mit schöner Regelmäßigkeit. Und ich spüre tief innen: Wenn ich geschlagen bin, bin ich getragen und gehalten. Ich bin nicht allein. Im Elend nicht. In der Not nicht. In der Freude nicht.
Deshalb nehme ich den Karfreitag mit, mitten hinein in meinen Alltag. In einen Alltag, zu dem auch Karfreitagserfahrungen gehören. Mehr manchmal, als mir lieb sind.
Dann hilft mir das Wissen, dass der Ostersonntag kommt. Zuverlässig. Lebensvoll. Neu.

 

Was ist der Karfreitag für Dich?

Foto: Erwin Grundler, Überlingen-Aufkirch

 

2 Kommentare
    • mutigerleben
      mutigerleben sagte:

      Liebe Annette,
      „Es ist vollbracht“ – ja, auch das gehört zum Leben. Im Positiven wie im Negativen. Und in aller Regel gehen wir gestärkt daraus hervor.
      Abendgrüße
      Judith

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