Der 8. März – Feministischer Kampftag

Diesen Begriff höre ich in den letzten Jahren vermehrt – und gestern Abend, beim Konzert des Chors „Choryphaeen“ aus Konstanz, war durchgängig von diesem Begriff die Rede.

 

Ich liebe diesen Begriff – und gleichzeitig ist mir bewusst, dass viele Frauen sich gegen den Begriff „Kampf“ wehren werden. Ganz so, wie viele Frauen es gelernt haben: Kampf schadet.

Aber: Blumen und Pralinen, friedliche Versöhnlichkeit und Harmonie ändern nichts! Sie lenken ab und wollen beruhigen, mehr nicht. Davon abgesehen: Der Weltfrauentag wurde nicht als Wohlfühltag oder als „Mutter-hat-heute- frei-Tag“ erschaffen. Er wurde als Kampftag geschaffen – als Kampftag für das Frauenwahlrecht. Frauen kämpften dafür über Jahre hinweg.

Mit der Einführung des Wahlrechtes für Frauen, 1918 in Deutschland, war das Hauptthema des Kampftages erreicht, dennoch blieb der Kampftag. Im Lauf der Zeit änderten sich die Themen. Gleichberechtigung, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Schutzbedingungen für Arbeiterinnen, Einsatz gegen Krieg und für Frieden, Kampf gegen den Faschismus etc. wurden zu neuen Themen. Der Kampftag nahm Themen auf, die das Leben von Frauen einschränkten, beschnitten oder gefährdeten. Was auffällt: Kein einziger Fortschritt in diesen Bereichen wurde freiwillig umgesetzt. All die Fortschritte, die für Frauen in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, wurden erkämpft – immer und immer wieder und zumeist von Frauen.

 

Und heute?

Heute höre ich, den „Internationalen Frauentag“ brauche es nicht mehr, Frauen hätten doch schon alles erreicht.

Mitnichten kann ich da nur sagen. Und, schlimmer noch: Gerade scheint es, politisch und gesellschaftlich, eine Rolle rückwärts zu geben, was Frauenrechte betrifft. In Amerika wird, im Rahmen der Maga Bewegung, ganz offen davon gesprochen, ein neues Wahlrecht einzuführen. In diesem soll es ein Familienwahlrecht geben – eine Stimme pro Familie und diese Stimme soll der Haushaltsvorstand bekommen. Gender ist hier nicht nötig.

Auch hier gibt es eine Partei, die es als vornehmste und wichtigste Aufgabe der Frau sieht, Kinder zu gebären und zu erziehen.

Es gibt immer noch eine gläserne Decke, wenn es um beruflichen Aufstieg für Frauen geht und gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist Fehlanzeige.

Wie sehr das Patriarchat in uns immer noch verankert ist, haben wir in den letzten Wochen im Rahmen des „Rehbraune-Augen-Videos“ gesehen. Für allzu viele Menschen, Frauen und Männer gleichermaßen, ist noch nicht einmal klar, weshalb dieser Spruch übelster Sexismus ist.

Und über die zunehmende Gewalt an/gegen Frauen und über Femizide, will ich gar nicht erst anfangen zu sprechen.

Also ja: Es steht uns gut an, heute und zukünftig vom Feministischen Kampftag zu sprechen. Dieser ist übrigens auch an jedem anderen Tag des Jahres!

 

Nein, das ist keine Aufforderung, wie einst die Suffragetten, auf die Straße zu gehen und für unsere Rechte zu kämpfen. Es ist schon viel gewonnen, wenn wir unsere Sinne schärfen, um den Alltagssexismus zu erkennen und ihn dann nicht mehr stillschweigend hinnehmen – auch dann, wenn er sich nicht gegen meine Person richtet. Es hilft auch, wenn wir in unserem Umfeld darüber sprechen – mit Männern, Söhnen, Neffen, Töchtern, Enkeltöchtern und Enkelsöhnen. Ohne Männer, die eine feministische Haltung leben, geht es nicht.

 

Von daher: Heute ist feministischer Kampftag – und ich bin froh, dass es ihn gibt.

 

 

PS: Und morgen ist ein deutschlandweiter Frauenstreik – daran teilzunehmen ist wichtig und notwendig. Dazu morgen mehr.

 

 

 

Schreibe auf, wofür dieser Tag für dich steht!

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich dir.

Foto: © Erwin Grundler

 

 

 

2 Kommentare
    • Judith Manok-Grundler
      Judith Manok-Grundler sagte:

      Liebe Andrea,
      danke für deinen Kommentar und das Kompliment.
      Warum die katholische Kirche das nicht lebet – das frage ich mich schon lange. Die einfachste Antwort lautet: Es geht um Macht und die, die sie haben, wollen sie nicht teilen. Und solange Frauen sich das – auch zähneknirschend gefallen lassen und mitmachen – wird sich nichts bzw. nur wenig ändern.
      Liebe Grüße
      Judith

      Antworten

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