Die Kirche und das Patriarchat

Wenn ich die heutige 1. Lesung lese, dann packt mich die Wut. Es ist eine typische Haltung, die ich da erlebe. Es werden Teile der Erzählung weggelassen – Teile, die aber entscheidend wären und die der Geschichte eine andere Bedeutung geben könnten. Ich jedenfalls lese nichts von der Erschaffung der Frau – sie taucht im Text erst auf, als die Schlange kommt, sie zu verführen.

Im Urtext wird die Frau als ein Gegenüber geschaffen, ein Gegenüber, das „Hilfe“ ist. Gemeint ist eine ebenbürtige und gleichwertige Hilfe, eine Hilfe auf Augenhöhe, eine Hilfe, die in Psalmen von Gott erfleht wird – während die Bibelübersetzer, die Kirche und das Patriarchat daraus ein „DIENEN“ gemacht haben.

Ich lese auch an keiner einzigen Stelle im Text das Wort „Sünde“ – und doch wird diese Erzählung gemeinhin mit dem Wort „Sündenfall“ benannt – und schlimmer noch, es wird behauptet, dass mit Eva die Sünde in die Welt gekommen sei. Nebenbei: Das Wort „“Sünde“ taucht erstmals auf in Kapitel 4 des Buches Genesis – allerdings nicht im Zusammenhang mit Eva, sondern mit dem Brudermord (Kain und Abel).

Der „Mensch“ übernimmt keine Verantwortung für sein Handeln, für das Essen der Frucht – er sagt „die Frau hat mir gegeben, so habe ich gegessen.“ Das sagt auch die Frau und sie hat recht – nur ist es bei ihr die Schlange, die sie verführt hat. Das heißt: Beide sind verführt worden, doch offensichtlich wiegt das verführt werden des Menschen schwerer als das verführt werden der Frau durch die Schlange – schließlich müsste ansonsten der „Sündenfall“ beiden zugerechnet werden.

Dieser Text ist ein schönes Beispiel dafür, wie „mann“ mit Auslegung, Deutung, Interpretation und ständiger Wiederholung ein falsches Bild zeichnet und am Leben erhält. Denn selbst wenn in der Predigt manches zurechtgerückt würde, bleiben doch die Worte im Gedächtnis – vor allem, wenn sie sich regelmäßig wiederholen.

Ich wünschte mir, die Leseordnung bekäme eine Überarbeitung mancher Texte.

 

 

 

Trotzdem einen gesegneten Sonntag für dich!

Foto: © Erwin Grundler

 

 

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