KW 14: Eine Wutrede
Gerade schreibe ich bei Susanne Niemeyers Schreibexperiment in der Fastenzeit mit. „Zauberwort“ ist das Thema. Heute ist die Schreibanregung, eine Wutrede zu schreiben. Da schließe ich direkt an meinen Beitrag aus KW 13 an.
Ich will schreien für die Frauen, denen man nicht glaubt und für die, die atemlos sind vor Furcht und für die, die vor meinen Augen verschwinden, ihre Kontur verlieren, weil sie geprügelt werden mit Worten und Händen.
Ich will schreien für die, die keine Stimme haben. Nicht, weil sie sich nicht trauen, sondern weil sie mundtot gemacht werden von denen, die andere kleinmachen müssen, um selbst groß zu erscheinen.
Ich will schreien für die Frauen, die durch Männeraugen verwandelt werden in Objekte, die hier- und dorthin geschubst werden können – so, wie es den Männern gerade passt.
Ich will schreien für die Frauen, die willig sein sollen und seine Bedürfnisse erfüllen, wann immer er es will – nur weil sein Horizont beschränkt ist vom rückwärtsgewandt. Vom damals, einem damals in dem angeblich alles besser war (was es so nie gab).
Ich will schreien für die Frauen, die Besitz sind – nicht mehr wert als der Dreck unter den Schuhen des Mannes.
Ich will schreien – für sie alle – weil mann sie in der Versenkung verschwinden lässt. Sie an ihrem Platz verweist – und was ihr Platz ist, bestimmt allein er.
Und ich will nicht allein schreien. Ich setze auf dich – und dich – und dich!!! Ich setze auf einen Chor wütender Frauen, die genug haben. Endlich genug haben von Abwertung und Sexualisierung. Vom kleingemacht werden. Vom gedemütigt werden. Vom entmündigt werden. Vom benutzt werden.
Ich will schreien – und ich will, dass alle Menschen guten Willens mit mir schreien – damit sichtbar wird, was nicht gesehen werden soll.
Ich will schreien!!! Mit allen, die guten Willens sind, und gegen alle, die Täter schützen.
Ich will schreien, mit allen, die guten Willens sind und gegen die, die meinen, sie können dem Thema aus dem Weg gehen, wenn sie ein anderes Thema wählen, um abzulenken.
Ich will schreien – zusammen mit allen Menschen guten Willens – gegen Gewalt in jeder Form und gegen die, die Täter und Taten nicht kennen wollen.
Ich will schreien, denn meine Wut brennt und lodert heiß!
Schreibe deine Wutrede auf.
Foto: © Grundler


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