KW 2: „Sch… begonnen?“ oder „Glück gehabt?“
Silvester. Kurz vor Mitternacht. Ein Großteil der Gäste unserer Feier macht sich bereit, nach draußen zu gehen. Einer will bunte Raketen in den Himmel schießen, die anderen wollen zuschauen.
Das neue Jahr ist erst ein paar Minuten alt, da klingelt es an der Tür. Zwei Gäste kommen zurück- einer davon ist einer meiner Enkelsöhne, der von Kopf bis Fuß zittert und völlig aufgelöst ist. Ein „Querschläger“ ist direkt hinter ihm explodiert; er sagt, er konnte die Hitze durch die dicke Winterjacke an seinem Rücken spüren. Gott sei Dank gibt es keine körperlichen Schäden. Der Schreck ist schlimm genug.
Als sich alles wieder ein wenig beruhigt hat, sagt er: „Das neue Jahr fängt schon Sch… an!“
Ich kann es ihm nicht verdenken, gehe ich doch davon aus, dass ihm der Schreck noch lange in den Knochen sitzt. Das sage ich ihm auch- und äußere mein Verständnis für diesen Satz.
Dann lege ich eine zweite Sichtweise dazu (er ist damit einverstanden).
„Du könntest auch sagen, das neue Jahr beginnt mit ganz viel Glück. Denn das hätte viel schlimmer ausgehen können.“
Stille. Schweigen. Ich sehe ihn nachdenken.
„Ja, das stimmt“, sagt er, „so könnte ich das auch sehen.“
„Es ist deine Entscheidung für welchen Blickwinkel du dich entscheidest“, antworte ich. Spürst du den Unterschied zwischen den beiden Sätzen?“
Stille. Schweigen. Mehr ist nicht nötig. Ein Nicken (von ihm). Ein Lächeln (von mir).
Stille. Schweigen.
Die Angst hat nicht das letzte Wort.
Wie siehst du das?
Einen guten Start in die neue Woche wünsche ich dir.
Foto: © Erwin Grundler


Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!