#Mittwochszeilen: PAPIER

Marion @marion.peters.schreibt gibt es heute wieder die Einladung zu den #Mittwochszeilen. Hier kommen meine …

 

Als Kind hat mich Papier fasziniert. Nicht, weil ich darauf malen oder schreiben konnte, sondern weil – zum Beispiel – Seidenpapier sich anders anfühlte als buntes Geschenkpapier. Auch Packpapier, Zeitungspapier oder Schreibpapier unterschieden sich beim Tasten. Und die Geräusche, die die jeweiligen Papiere beim Zerknittern machten, waren sehr unterschiedlich. Noch heute höre ich es gern – das leise Flüstern des Seidenpapiers, wenn ich es zerknittere und wieder glattstreiche.

Papier fasziniert mich. Ich kann nur schwer an Papieren, die meinen Blick anziehen und halten, vorbeigehen. Ich liebe die raue Oberfläche eines handgeschöpften Papiers, das sanfte Blau des Seidenpapiers, das ein Geburtstagsgeschenk enthielt, das neue Briefpapier mit zarten, altrosafarbenen Fantasieblumen und Schreib-Bücher jeder Art.

Der Schreibtisch ist verwaist. Silbernes Mondlicht lässt ein vergessenes Glas leuchten. Im Papierkorb raschelt es. Es hört sich an, als ob Wind in den Bäumen rauscht. Papierfetzen aller Couleur und Stärken werden wach. Es flüstert, zischt, spricht. <Weißt du noch>, tönt es und <ich war einmal …> und auch <ich würde gerne noch einmal> klingen durcheinander. Ein Schnipsel, weiß mit einer halben rosaroten Knospe, schweigt. Erst als es langsam stiller wird, spricht er. Zwei Worte nur: „Und jetzt?“

 

 

 

Ich hatte Freude beim Schreiben.

Collage und Foto: © Judith Manok-Grundler

 

 

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