SONNTAGSGEDANKEN: PFINGSTEN

Pfingsten ist das Fest des Geistes. Des Geistes, der bewegt.

Ich mag lieber den Begriff RUACH als Heiliger Geist. Die Ruach – denn im Aramäischen (das ist die Sprache, in der Jesus sprach) und im Hebräischen – ist die Ruach weiblich. Ruach- das ist die lebendige, schöpferische Kraft. Die Lebenskraft, die be-GEIST-ert, ansteckt und mitreißt. Sie schenkt uns Mut. Beflügelt uns. Lässt uns aufbrechen aus Starre, Zurückhaltung und Angst.

In der Apostelgeschichte wird davon erzählt, wie ein Brausen über die kam, die versammelt waren und wie sich Feuerzungen auf allen niederließen. So konnten sie in „fremden Zungen“ reden- und alle Menschen, die sich versammelt hatten, konnten sie in der jeweils eigenen Sprache verstehen.

 

Ist es nicht an der Zeit, auch heute- in unserer Kirche- so zu reden, dass alle verstehen? Das heißt auch und als allererstes, niemanden von der Verkündigung des Wortes auszuschließen, einzig auf Grund des Geschlechts. Wir brauchen verschiedenste Stimmen, die von G*tt und von G*ttes-Erfahrungen erzählen, denn wir alle haben unterschiedliche Erfahrungen.

Mein Vater, der Theologie studiert hat, hatte andere G*ttes-Erfahrungen als meine Mutter, die als junge Schwesternhelferin in Kriegslazaretten gearbeitet hat. Ich, die ich schon als Kind wusste, dass nicht die Eva den Adam verführt hat, sondern dass Adam die Entscheidung getroffen hat, in die Frucht zu beißen, habe andere G*ttes-Erfahrungen als meine Eltern. Meine Kinder und Enkel haben andere Erfahrungen mit G*tt und der Kirche- und all die anderen Menschen auch.

 

Welch eine Verengung, wenn Kirche vorgibt, wie G*tt ist! Wie er zu sein und zu glauben ist. Die große Vielfalt der G*ttesbilder, die im AT und NT aufblitzen, geht verloren. Und: Wir geben anderen und anderem keinen Raum.

In so einer Kirche, in so einem Glauben, weht der Geist nicht. Da entfaltet sich keine Lebenskraft, die mitreißt. Die Funken entzündet. Die begeistert. Die uns beflügelt und uns Mut verleiht.

Machen wir die Fenster auf. Schließen wir uns nicht ein in Angst, Starre und „alles-soll-bleiben-wie-es-schon-immer-war“! Lasst uns anders sprechen. Lasst uns anderen zuhören. Lasst uns weniger fragen und mehr machen. Lasst uns an die eigenen Möglichkeiten glauben. Lasst uns anerkennen, dass es nicht um „besser oder schlechter“, sondern um „anders“ geht. Lasst uns aufhören mit Diskriminierung auf Grund des Geschlechts oder der Herkunft etc. Lasst uns vom Leben sprechen statt von Festlegungen und Kategorien, die erhalten werden müssen.

Und lasst uns das Leben feiern. Das Leben, mit allem, was es mit sich bringt. Erst recht und trotzdem! Die RUACH weht!

 

 

 

Ein gesegnetes Pfingstfest wünsche ich Dir!

Foto: © Judith Manok-Grundler

 

 

 

 

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