abc.etüden 21/22:Die Sache mit dem Zeitplan

„Mein Zeitplan ist straff“, die Inge beklagt
„ich werde von hier nach dort nur gejagt,
soll rennen und schaffen und arbeiten nur,
darf niemals sehen auf die Uhr“.

<Geht das nicht schneller, Sie wissen, es eilt,
ich brauche Sie Morgen, Nein, nichts wird geteilt>.
So geht das ständig – die Inge schuftet –
die Arbeitsfreude ist längst schon verduftet.

Am Mittwochmorgen, ganz in der Früh,
da stolpert sie über ’nen Parapluie.
Man sieht sie fallen – au weh und ach,
sie flüstert leise und ganz schwach:

„S’ist wirklich schlimm, ich weiß, ich weiß –
das ist ein riesengroßer S…“
Und wo sie recht hat, hat sie recht –
für das Gehetze sie nun blecht.

 

|WERBUNG WEGEN NAMENSNENNUNG UND VERLINKUNG, UNBEZAHLT|

 

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Wie bringst Du die Wörter unter?

Foto: © Erwin Grundler, Überlingen

 

Maximal 300 Wörter, die die Begriffe<Zeitplan, fallen, schlimm> enthalten müssen. Die Idee stammt von https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/05/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-21-22-20-wortspende-von-kopf-und-gestalt/

30 Kommentare
  1. Christiane
    Christiane sagte:

    Genau. Nichts hat sie davon, nur den Schaden, und keinem ist damit geholfen. So wahr!
    Und SO schön gereimt und in Form gebracht! Ich frage mich gerade, wann ich zum letzten Mal irgendwo „Paraplü“ gelesen habe. Muss lange her sein …
    Danke schön! :-D
    Liebe Grüße
    Christiane :-)

    Antworten
    • mutigerleben
      mutigerleben sagte:

      Vielen Dank, Christiane.
      Freut mich, dass es dir gefällt – ich hatte zunächst einen Prostext geschrieben, mit dem ich aber nicht glücklich war und habe mich deshalb gestern Abend noch einmal hingesetzt.
      Den Begriff Paraplü, Paraplu oder Parapluie – habe ich auch schon lange nicht mehr gehört, da hast du recht.
      Herzliche Grüße
      Judith

      Antworten
  2. Werner Kastens
    Werner Kastens sagte:

    Ich mag auch die „alten“ Worte wie Paraplu, Chaussee, Trottoir, Portemonnaie. Als ich Kind war, wurden diese bei uns in Delmenhorst und auch in Hessen im Frankfurter Raum viel benutzt. Ich vermute wegen der vielen Zuwanderer aus Polen im Norden und wegen der Hugenotten, die in Frankfurt willkommen waren.

    Aber nicht nur deswegen gefällt mir Dein Gedicht!

    Antworten
  3. Rina
    Rina sagte:

    Auf den Punkt gebracht. Es dauert immer ein bisschen, bis man doch merkt dass für die ganze schufterei am Ende nur du bezahlst. Gut geschrieben.

    Antworten
  4. Elvira
    Elvira sagte:

    Vielleicht überdenken einige der Gehetzten in dieser Situation, in der die ganze Welt Zwangspausen einlegen musste, ihre eigenen Beweggründe noch einmal. Nicht jeder schafft es, die Tretmühle zu verlassen oder im Hamsterrad etwas langsamer zu laufen. Millionen von Menschen schuften unter menschenunwürdigen Bedingungen, nur um zu überleben. Aber die meisten hier bei uns stellen sich selber die Zeitfalle. Bis sie unsanft gebremst werden, wie deine Protagonistin.
    Liebe Grüße,
    Elvira
    Und Danke für den Link zu dir bei mir! Ich schaffe es meistens nicht, alle bei Christiane eingestellten Etüden zu lesen. Da fällt manch Perle durchs Netz.

    Antworten
    • mutigerleben
      mutigerleben sagte:

      Liebe Elvira,
      danke dir für deine Rückmeldung. Ja, da hast du natürlich recht – es gibt Arbeitssituationen bei denen ein praktisch unmöglich ist. Und manche wissen, was sie da tun und schaffen es nicht, etwas zu verändern. Da kann ein wenig Pause manchmal helfen.

      Ich schaffe es auch selten, alle Etüden zu lesen.
      Liebe Grüße
      Judith

      Antworten
      • Elvira
        Elvira sagte:

        Das Problem ist, dass es viele gut Blogs gibt. Als ich vor Jahren bemerkte, wievielen Bloggern ich folge, war ich fast froh, als nach einem Update auf ein neues Betriebssystem mein Feedreader auf dem Mac plötzlich nicht mehr zu öffnen war. Ich nahm das als Zeichen und installierte einen neuen auf dem Tablet. Über die Kommentare in meinen Beiträgen suchte ich mir gezielt meine Favoriten raus, Menschen, denen ich auch begegnet bin, mit denen ich mich per Mail austausche oder die einfach nur sehr interessant sind. Dabei kommt es dann schon mal vor, dass man Betrügern aufsitzt. Ich war eine sehr treue Leserin bei ReadOnMyDear. Ihre Beiträge berührten, waren literarisch hochwertig und schienen Einblicke in ihr Leben und das ihrer im Holocaust ermordeten Verwandten zu zeigen. Ich bedaure zutiefst, dass sie sich das Leben nahm, als sich herausstellte, dass fast alles erfunden war. Das Internet ist ein hartes Pflaster und ich versuche, überwiegend positiven Nutzen daraus zu ziehen.
        Liebe Grüße,
        Elvira

        Antworten
        • mutigerleben
          mutigerleben sagte:

          Liebe Elvira,
          Danke Dir für diesen Einblick.
          Ich hab nicht so viele Blogs, denen ich folge. Da ich ja theoretisch noch arbeite, bleibt nicht so viel Zeit.
          Das, was Du da schreibst, hört sich traurig an.
          Abendgrüße
          Judith

          Antworten
  5. puzzleblume
    puzzleblume sagte:

    So geht es sicherlich vielen, vor allem Frauen, die meist mit ihrem ausgeprägten inneren sozialen Antrieb emotional leichter unter Druck zu setzen sind, können sich oft nur schwer gegen das Aufpacken immer noch weiterer Lasten zur Wehr setzen.

    Die französischen Lehnwörter erinnern mich an den Sprachgebrauch meiner 1903 geborenen Grossmutter, die auch damit umging, ganz wie Werner es in seinem Kommentar beschrieben hat. Das passt gut zu dem erwas aus der Zeit gefallenen und dennoch weiter existierenden Frauenbild.

    Antworten
    • mutigerleben
      mutigerleben sagte:

      Danke dir, Puzzleblume.
      Ja, da bin ich ganz bei dir – dabei wäre es so wichtig, auch Nein sagen zu können.
      Und von meiner Großmutter kenne ich auch solche Wörter.
      Herzliche Grüße
      Judith

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