Advent

Die 1. Adventswoche ist schon fast vorbei. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Erfahrungsgemäß gehen die letzten Tage jetzt schnell vorbei. Das ist anders als früher.

Ich erinnere mich: Als Kind wollten die dunklen Adventstage nicht enden. Ewig kamen sie mir vor. Abends kamen Frauen ins Haus, um gemeinsam Adventslieder zu singen. An „Macht hoch die Tür …“ kann ich mich erinnern. An andere Lieder nicht. Das fand ich damals komisch: Warum zieht man von Haus zu Haus, um im Flur Lieder zu singen?
In der Wohnung roch es nach Geheimnis und „Ausstecherle“. Nach Tannengrün und Bienenwachs. Nach Äpfeln aus dem Ofen. Die Großen waren am Rennen. Die Kleinen am Warten. Was würde das Christkind bringen? Wunschzettel wurden geschrieben oder gemalt und zwischen das Fenster und das Vorfenster gelegt. Dort hingen, im weißen Leinensäckchen, auch die „Springerle“ zum weich werden. An ihren Geruch erinnere ich mich gern. Anis, hm. Auch das ist Advent. Eisblumen an den Fenstern ebenfalls. Und rote Wärmflaschen aus Gummi für die kalten Betten.

Advent – manches ist ähnlich. Manches anders. Sicher ist, so viel Konsum wie heute war damals nicht. Erwartungen, Wünsche, leuchtende Kinderaugen, Adventslieder, Sterne und Kerzenduft – das gab es durchaus. Und das Warten. Das gibt es immer noch. Das ist gut so, denn Warten können hat eine ganz besondere Qualität. Warten kann ich, wenn ich mir Zeit gebe. Fürs Hören. Fürs Fühlen. Fürs Sehen. Fürs Sein. Warten kann ich, wenn ich weiß: Dinge brauchen Zeit zum reifen. Warten gelingt, wenn Aktivitäten nicht alles andere zudecken. Wenn ich die Hände in den Schoß lege und die Gedanken auf Reisen schicke. Wenn nichts so wichtig ist wie der Moment. Dann kann ich sie spüren, die Hoffnung. Auf ein Leuchten. Auf ein Miteinander. Auf eine andere Welt. Auf mehr Menschlichkeit. Auf einen Neuanfang.

An was erinnerst Du Dich, wenn Du an den Advent denkst?
Und worauf wartest Du?
Kannst Du warten oder musst Du warten?
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