Das Wort zum Sonntag: Scherben

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Ich habe in meinem Leben schön des Öfteren erlebt, dass Dinge zerbrochen sind, es Scherben gab. Dabei handelte es sich ebenso um Dinge des alltäglichen Bedarfs, als auch um Freundschaften, Überzeugungen, Versprechen, Gewissheiten und Beziehungen. Manches war letztlich nicht so wichtig, bei anderem aber war mir sofort klar, dass das, was da passierte, nicht so einfach wegzustecken sein würde.
Teile meines Lebens waren zerbrochen und die Trauer darüber war heftig. Wenn ich von heute aus auf mein Leben zurückschaue, kann ich sagen:
Ja, ich habe die Krisen überstanden.
Ja, ich habe daraus gelernt.
Ja, sie haben mich zu der gemacht, die ich heute bin.
Ich weiß, dass ich dabei vieles alleine geschafft habe – und ich weiß auch: niemals hätte ich alles alleine geschafft. Ich habe andere Menschen gebraucht – und: Ich werde sie immer wieder brauchen. Das geht nicht nur mir so.

Nun erleben wir eine Krise, die das Leben, das wir kennen, drastisch verändert. Es ist, als ob ein Sturm über die Welt toben würde und Scherben zurückließe, deren Auswirkungen wir jetzt weder einschätzen noch absehen können.
Das macht Angst. Das lässt zweifeln, hadern und klagen. Das lässt Trauer zu Flüssen anschwellen und neue Wüsten entstehen.
Und doch – das ist nicht alles. Es ist auch die Zeit, sich auf das zu besinnen, was wirklich zählt.
Es gibt hoffnungsvolles – Menschen, die bewusst nach dem Guten suchen in diesen Tagen und es mit anderen teilen, um zu ermutigen.
Es gibt eine große Hilfsbereitschaft – Menschen, die da sind, ohne groß zu fragen.
Es gibt Menschen, die ihre Arbeit tun – bis an ihre Grenzen und darüber hinaus.
Ihnen allen sei Dank.

Und es gibt die Welt vor unserer Tür. Die Welt, die uns mit dem Frühling zeigt: Das Leben geht weiter. Irgendwie. Immer! Sehr wahrscheinlich anders als vorher. Mit Narben und Brüchen und Veränderungen und Trauer. Aber es geht weiter. Daran will ich glauben. Mit aller Kraft. Was sonst sollte meine Hoffnung nähren?

 

Scherben

 

Was nährt Deine Hoffnung?

Foto: © Erwin Grundler, Überlingen

2 Kommentare
  1. Daniela
    Daniela sagte:

    Kintsugi
    ist eine traditionelle japanische Kunst der Keramikreperatur.
    Die zerbrochenen Teile werden gekittet und mit Gold hervorgehoben um sichtbar zu bleiben .
    in ihren Augen symbolisiert reparierte Keramik Zerbrechlichkeit, Stärke und Schönheit.
    Keramik ist stark und schön und zerbrechlich ,genau wie der Mensch .
    Genau wie Keramik kann auch unser Leben zerbrechen ,aber es lässt sich auch wieder zusammenfügen wenn man weiß wie .Das Leben kann nach einem Bruch zusammengesetzt und unsere Verletzungen können wieder geheilt werden .
    Ich finde Du hast ein sehr spannendes Thema aufgegriffen .
    Gerade aktuell entstehen viele Situationen unter uns die zusammen brechen und auch wieder zusammen gekittet werden müssen .
    Wir beginnen uns zu entschleunigen ,hilfe zu leisten wo bedarf ist und positiv an dieser Situation mit zu tragen .
    ich wünsche Dir / Euch einen schönen Sonntag ( Lätare “ Freudensonntag “ Rosensonntag )
    Alles Gute DANIELA

    Antworten
    • mutigerleben
      mutigerleben sagte:

      Liebe Daniela,
      Ich danke dir sehr für diese Infos zu KINTSUGI, die ich hier und heute zum Beitrag nicht geben, sondern nur zeigen wollte. Aber du hast recht: Genau darum geht es.
      Ich habe für „Der Dienstag dichtet“ ein Gedicht zum Thema vorbereitet, dort wird auch das Foto nochmal auftauchen.
      Liebe Grüße zu dir
      Judith

      Antworten

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