„Zwischen heute und morgen – hier und dort“ – 3: Am See

Ich gehe am See entlang. Wellen schlagen gegen das Ufer.

„Komm, lass dich bei mir nieder.“

Ich höre es. Überlege. Dann suche ich mir einen Sitzstein und lausche.

„Hast du Vertrauen?“

„Mal mehr, mal weniger“, antworte ich. „Es ist wie mit euch: Mal seid ihr klein und kaum zu hören, ein anderes Mal plätschert ihr laut und wieder an einem anderen Tag tost ihr ans Ufer.“

Keine Antwort.

Ich sehe und lausche.

Gleichmaß im Wellentakt. Vor und zurück. Dazwischen – ein winziger Augenblick des Innehaltens. Kaum merkbar.

„Hast du Vertrauen?“

Ich spüre, wie ich die Stirn runzle.

„Guck nicht so ernst. Noch einmal: Hast du Vertrauen?“

„Das habe ich doch schon beantwortet.“

Stille.

Die Wellen rollen ans Ufer. Sacht. Ein leises Geplätscher. Es lullt mich ein.

„Hast du Vertrauen?“ flüstert es wieder.

„Ja, ins auf und ab des Lebens“, antworte ich.

„Schön, dass du lächelst“, höre ich und sehe, dass das Wasser des Sees vor mir liegt wie ein straffgespanntes Tuch.

 

 

 

Schreibe über einen Besuch am See.

Foto: © Erwin Grundler

 

 

2 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert